DORA
SCHÖNE NEUE KUHSTALLWELT6. August bis 31. Oktober 2010
eine Ausstellung von Bernhard Kathan mit Arbeiten und Beiträgen der Künstler Roland Albrecht, Reinold Amann, Günter Gstrein, Lois Hechenblaikner, Gerhard Lang, Gertrude Moser-Wagner, Annette Richter und Jeanette Schulz zum Thema Rind.
1145 Besucher bei der Ausstellung "Dora.Schöne neue Kuhstallwelt"
6. August "Eröffnung der Ausstellung"
28. August "Kuhstall bei Nacht"St. Antönien, Prätigau, Schweiz
3. September "Von echten und imaginären Rindern"
9. September "Die Generallinie"
16. September "Q Begegnung auf der Milchstraße"
23. September "Unser täglich Brot"
17. September "Émil Zola am Land"
30. September "Feines vom Rind"
2. Oktober "Lange Nacht der Museen"
14. Oktober "Früher hatten Kühe noch Hörner"
16. Oktober "Tierhaltung und Produktionsweise"
Programm
In den letzten 50 Jahren hat sich die Milchleistung der Kühe mehr als verdoppelt, ist der Milchpreis, den Bauern erhalten, um 2/3 gefallen, hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung von Kühen auf zwei bis drei Laktationsperioden reduziert. Gab es 1995 beim EU-Beitritt noch 2.800 Milchbauern in Vorarlberg, so ist die Zahl auf aktuell rund 1.550 gesunken. Die Situation der Bauern ist dramatisch. Geringeren Einnahmen stehen höhere Investitionskosten gegenüber. Innerhalb kürzester Zeit haben sich Laufställe durchgesetzt. Spätestens dann, wenn jene Bauern in Pension gehen, deren Hof niemand übernimmt, wird es kaum noch einen Anbindestall geben. Auf der einen Seite extensive Mutterkuhhaltung, auf der anderen Milchviehhaltung mit enormem technologischen Aufwand. Einer naturnahen Haltung stehen technologische Habitate gegenüber. In beiden Haltungsformen hat sich das einst enge Gefüge von Mensch und Tier weitgehend aufgelöst. Da wie dort wird auf Spezialisierung und Automatisierung gesetzt, auf größtmögliche Stückzahlen bei geringstmöglichem Arbeitsaufwand.
An den meisten Menschen ist all das nahezu spurlos vorbeigegangen. Man sieht immer noch Kühe auf Weiden. Die Milch hat ihre Farbe nicht geändert. Und die kleinen Kästchen, die Kühe am Hals tragen, werden schon irgend eine Funktion haben. Dieser Wandel ist keineswegs abgeschlossen. Womöglich werden Rinder in Zukunft angesichts des hohen Methanausstoßes besteuert werden. Der Anteil von Milchallergikern und Milchverweigerern wird zunehmen. Schon heute setzt die Lebensmittelindustrie zunehmend auf Milchersatzprodukte. Fleisch wird sich in absehbarer Zeit in Laboranlagen produzieren lassen. Diesbezügliche Versuche sind bereits heute erfolgversprechend. Vermutlich wird die Milch genetisch veränderter Rinder in der pharmazeutischen Industrie von Bedeutung sein. Es sind transgene Kühe denkbar, die in Zukunft den menschlichen Nachwuchs austragen, vielleicht im Alpenraum, bei reichlicher Bewegung und gesunder Luft. Bereits vor hundert Jahren dachten Biologen, Retorten würden in absehbarer Zeit die Frau von der Last der Schwangerschaft und den Schmerzen der Geburt befreien. Retortenbabys wird es noch lange nicht geben. Einfacher ist es, Rinder mit Hilfe der Gentechnik entsprechend umzubauen.
Eine Ausstellung zum Thema Rind nach dem Motto „Das war einmal“ wäre ebenso langweilig wie eine Ausstellung, in der Besucher zum Fettgehalt der Milch oder die Besiedelung von Kuhfladen belehrt werden. Wichtiger ist es, sich mit heutigen wie künftigen Entwicklungen der Rinderhaltung zu beschäftigen, deren Bedeutung ja weit über Landwirtschaft im engeren Sinn hinausreicht. Wir haben uns bemüht, das Vertraute als fremd und das Fremde als gar nicht so fremd, zumindest als denkbar zeigen. Antworten wird man in dieser Ausstellung freilich ebensowenig finden wie wir auch auf moralische Belehrungen verzichtet haben. Die Ausstellung will Blicke in diese oder jene Richtung öffnen ohne jedoch vorzugeben wie die Welt zu sehen ist. Betrachten wir allerdings die Entwicklungen der Rinderhaltung als Spiegelung der menschlichen Gesellschaft, dann müssen wir im Gegensatz zu Vilém Flusser sagen: „Die Verkuhung der Welt ist nicht mehr aufzuhalten!“ Während das Rind in den letzten Jahrzehnten aus der Welt des Menschen vertrieben wurde, organisiert sich die Gesellschaft zunehmend nach den Überlegungen von High-Tech-Rinderställen.
Die Ausstellung will Impulse geben, in diese oder jene Richtung weiterzudenken, Konsumenten einladen, über Milch und Fleisch anders zu denken, Bauern ermuntern, an ihr eigenes Potenzial zu denken. Nicht die Ausstellung ist von Bedeutung, sondern Diskussionen, die sich aus ihr ergeben können. Das Veranstaltungen im Rahmenprogramm werden reichlich dazu Gelegenheit bieten.
Zu sehen: Die drei ältesten Kühe Vorarlbergs, die zwei schönsten Kühe Vorarlbergs, Schatten ferner Ahnen, Sich mit Kühen dem Fotografen stellen, Junge Frau mit Rind, Keine Angst vor Kühen, Umgängliches Vieh, Musikhörende Kühe, Kühe auf dem Dorfplatz, das Dreinutzungsrind. Skelett einer Bergbauernkuh aus dem neunzehnten Jahrhundert. Votivtafeln mit Kühen. Brauchen Kühe Hörner? Rindermagen. Wiederkäuergerechte Fütterung? Tod eines Ochsen, Blick in eine Schlachtgenossenschaft, Blick in eine Tierkörperverwertungsanlage. Selbsttränke, Milchgefäße, Melkmaschine und Melkkarrussell. Kuhnamen, Durchschnittsmengen und Serien. Heimkehr der Herde und gläserne Kuh. Sind Kühe in Laufställen glücklicher? Kuhlockrufe, Besamungsroboter, Kühe als Leihmütter. Himmelskühe, Redensarten, Schleckende Kühe, Milchphantasien, Milka-Kuh, mit den Augen einer Kuh sehen, Kuhfotografie, Auerochs-Rückzüchtungen, Spielzeugkühe, Kühe in der Werbung, Moderne Rinderhaltung, Herdenmanagement, Automatisierte Kuherkennung, Automatisierte Tierbeobachtung, Hochleistungskühe, Künstliche Besamung und Embryonentransfer, Gummibärchen und anderes.



