Das 1841 errichtete Bauernhaus in dem sich die ARTENNE befindet,  ist eines der wenigen der Art, die es im Walgau noch gibt. In den 1990er Jahren öffneten Hildegard und Helmut Schlatter sporadisch den Wirtschaftstrakt für Workshops und Ausstellungen. Das Gebäude wurde 2010 grundlegend saniert und zum öffentlichen Kulturraum adaptiert. Für die Adaptierung erhielten die Bauherrn mehre Architekturpreise.

Waschhaus Sanierung > 2020

Seit der Planung des Umbaus des Tenns im Jahre 2009 besteht die Idee und der Wunsch die alte Waschküche zu sanieren und für Veranstaltungen der Artenne und andere Verwendungsmöglichkeiten zu nutzen. 2020 - während des Lockdowns - wurde das Projekt dann mit viel Energie in Angriff genommen.

Dies beinhaltet den Abbruch der zwei Feuerstellen, die für verschiedenes - wie Schnapsbrennen, Wäsche waschen, etc. - verwendet wurden. Die Zwischendecke wurde entfernt, sodass die Dachkonstruktion sichtbar ist. In diesem Raum wurde auch geschlachtet und geräuchert, an das die schwarz verkohlten Stellen an den Holzbalken noch erinnern. Das Dach mit alten Biberschwänzen wurde repariert und die abgebrochenen Dachlatten erneuert. Der alte Betonboden wurde ebenfalls entfernt und der Untergrund dann auf 50 cm abgegraben, um dann mit Schaumglas zur Isolierung und einem Kalkestrich gefüllt zu werden. Die Wände erhielten eine Kalkschlemme. Zuletzt wurde eine Kalkglätte auf den Boden aufgetragen. Ausständig sind noch Waschbecken und ein neuer Ofen samt Kamin.

Tenn - Adaptierung 2010/2011

Im Zentrum zur Überlegung eines Umbaukonzeptes der Artenne stand der Wunsch, die Räumlichkeiten in Struktur und Materialisierung möglichst zu erhalten. Das komplexe räumliche Gefüge der Tenne mit den verschiedenen Ebenen birgt vielfältige Möglichkeiten für Ausstellungen und Veranstaltungen. Der licht- und luftdurchlässige Fassadenschirm im Wechsel mit den massiven Mauerpfeilern prägt den Charakter des Raumes. Der ehemaligen Scheunendurchfahrt, die durch zwei Silos aus späterer Zeit verstellt war, wurde entsprechend der ursprünglichen Funktion die Rolle des zentralen Eingangsbereichs zugedacht. Die Einbauten wurden entfernt, der durchgehende Boden und die Zugänglichkeit des hinteren Tores und somit Öffnung zum Garten hinter dem Haus wurden wiederhergestellt. 12 m lange Dielen prägen mit ihrer Längswirkung den Raum. Die bestehenden Heuböden, zum einen auf den eingebauten Ställen und zum anderen als freie Ebenen, sind Relikte funktionaler Arbeits- und Betriebsabläufe: Maximales Lagervolumen, flexibel erschlossen mit Anstellleitern. Die neue Erschließung der Ebenen wird mit 2 Stiegen und einem Steg erreicht. Diese Einbauten sind als eine Form von Mobiliar – scheinbar flexibel - den ursprünglichen Anstellleitern nachempfunden. Die dreidimensionale Homogenität des Raumes bleibt auch im Begehen erhalten. Eine rein vertikale Erschließung wurde bewusst vermieden, die Verbindungen der Ebenen individuell angepasst. Stiegen und Stege sind aus walzrohem Tafelblech, als Absturzsicherung dienen schlichte Staketengeländer. Der Ausbau des rückwärtigen kleinen Stalles zur Toilette ist in der Materialität - auch hier Stahlblech - reduziert und ruppig gehalten. Auch das Installations- und Beleuchtungssystem, das eigens für diesen Ort entwickelt wurde, bedient sich derselben Material- und Formensprache: Bodendosen sowie abgehängte Kabeltrassen aus Stahlblech mit Lochmuster, in die an beliebiger Stelle Leuchten eingehängt werden können, gewährleisten größtmögliche Flexibilität.

Architekt DI Hansjörg Thum, Feldkirch
Baubeginn: 14. Juni 2010
Fertigstellung Frühjahr 2011

 

 

Architektur Lob 2011

Österreichischer Bauherrenpreis 2011

Ein Beispiel von allgemeinster Relevanz, wie aus Privatinitiative, mit minimalen Mitteln, mit Einbindung institutioneller und professioneller Kompetenz alltäglicher, unspektakulärer Raum für neue Nutzungen belebt werden kann und damit öffentlicher, baukultureller Mehrwert entsteht. Das 1841 errichtete Bauernhaus ist eines der wenigen der Art, die es im Walgau noch gibt. Schon in den 1990er Jahren öffneten Hildegard und Helmut Schlatter sporadisch den Wirtschaftstrakt für Workshops und Ausstellungen. Ab 2005 dachte man an ganzjährige Verwendung des Stadels als Bühne für Kunst und Kultur der ländlichen Region, die im radikalen Umbruch steht. Ein Verein wurde gegründet; zur technisch-räumlichen Nachrüstung des Stadels wurde professionelle Planung nötig. Die Schlatters wandten sich an das VAI um Rat; vier Teams wurden zum Architekturwettbewerb geladen, vom „EU LEADER Förderprogramm“ kam Finanzhilfe. Mit gemeinsamer Weiterentwicklung des Siegerprojektes entstand eine vorbildliche Revitalisierung: Die Atmosphäre der Scheune blieb erhalten; die Interventionen antworten dem Bestand ebenso werkzeughaft, reduziert, roh: das Neue ist nirgends kostbarer als das Alte, doch von gleicher Intelligenz, und das Ganze nicht auf Fotos, nur am Ort selbst richtig spürbar. (Text: Otto Kapfinger, Jurymitglied ZV)

Artenne, Nenzing, Vorarlberg
Bauherren: Hildegard und Helmut Schlatter
Architekt: DI Hansjörg Thum, Feldkirch

 

Architektur - Lob 2013

BTV Bauherrenpreis 


Wir freuen uns über den BTV Bauherrenpreis, der uns am 23.10.2013 im BTV Stadtforum in Innsbruck überreicht wurde. "Wer die Welt verändern will, muss Zuhause beginnen. Transformationen in der alpinen Architektur" war das Motto unter dem 148 Bauherren einreichten. Die Jury - Otto Kapfinger. Paola Maranta und Heinz Tesar - wählte die 10 vielversprechendsten, spannendsten und am konsequentesten umgesetzten Architekturprojekte Tirols und Vorarlbergs aus. Diesen Bauherrenpreis teilen wir gerne mit unserem Architekten Hansjörg Thum aus Feldkirch und bedanken uns bei den Fördergebern: Europäischer Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes, Land Vorarlberg und Marktgemeinde Nenzing.